Heikos Tagebuch

Artikel der Kategorie 'Schweres Rechnen'

Frau Merkel und die Statistik

Mittwoch, 12. Oktober 2011, 21:23 · Ein Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Derzeit wird man in allen Printmedien mit der Halbzeitbilanz der Regierung Merkel bombardiert. Natürlich ist darin alles rosig, toll, und überhaupt – welche Krise? Besonders angetan hat es mir aber folgende Grafik:

Sie zeigt das Wachstum des BIP Deutschlands im Jahr 2010 relativ zu sechs anderen EU-Staaten, namentlich Vereinigtes Königreich, Österreich, Niederlande, Frankreich, Spanien und Belgien. Warum gerade diese sechs?

Nun, damit, wie in diesem Bild, Deutschland gut dasteht. Geht man der Eurostat-Quelle nach, kann man auch mal sechs andere Staaten auswählen, dann sieht das Bild zum Beispiel so aus:

Und schon ist Deutschland nur noch hinteres Mittelfeld.

Man sieht: Statistiken sind geduldig. Und man kann damit alles belegen und auch das Gegenteil davon. Die Antwort auf die Frage, warum unsere Regierung es offenbar für nötig hält, zu solchen Tricks zu greifen, sei dem Leser als Übung überlassen.

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Generationsgerechtigkeit geht anders

Mittwoch, 17. November 2010, 14:11 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Gewerkschafter rennen mit ihren Positionen bei mir meist offene Türen ein, und auch Kritiker der schwarz-gelben Regierung haben es in der Regel nicht schwer, meine Zustimmung zu erheischen. Doch die aktuelle Forderung von DGB-Chef Michael Sommer, statt der Erhöhung des Renteneintrittsalters einfach die Beiträge zu erhöhen, finde ich gelinde gesagt unsinnig.

Bei der Rentendiskussion geht es, mehr als bei fast allen anderen derzeit aktuellen politischen Themen, um Generationengerechtigkeit. Genau in diesem Punkt ist Sommers Vorschlag jedoch augesprochen kontraproduktiv:

Ein 1965 Geborener würde nach derzeitigem Stand der Dinge 2030 in Rente gehen, also noch 20 Jahre Berufsleben vor sich haben, ein Arbeitnehmer vom Jahrgang 1985 hat noch 40 Jahre Berufsleben vor sich. Die Ausdehnung der Arbeitszeit, die ab dem Jahrgang 1964 voll greifen soll, würde beide gleichermaßen belasten, nämlich jedem zwei Jahre mehr Arbeit abverlangen. Bei Sommers Vorschlag hingegen würde der 1985 geborene doppelt so lang höhere Beiträge zahlen als der 1965 geborene, also doppelt so stark belastet werden.

Generationgerechtigkeit geht anders.

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Päckchen geliefert, kommt voraussichtlich morgen

Donnerstag, 19. August 2010, 13:35 · Keine Kommentare · Außenwelt, Schweres Rechnen

Jedem ernsthaften Wissenschaftler ist bekannt, dass man die Hypothese am Besten nach Durchführung des Experiments formuliert – nur so kann man schließlich sicher sein, dass das Experiment auch tatsächlich die Hypothese belegt. Bei Amazon scheint man nicht einmal das zu wissen:

Bemerkenswert.

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Nachgezählt

Freitag, 16. Juli 2010, 21:56 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Ich bin wirklich der letzte, der dagegen ist, mehr in Bildung zu investieren. Und ich bin auch wirklich der letzte, der dagegen ist, Diskussionen über dieses Thema auch mal mit Fakten zu untermauern.

Im aktuellen SPIEGEL wird Karl Lauterbach von der SPD (der mit der Fliege) zum Ingenieursmangel wie folgt zitiert:

Allein in China werden jährlich rund 600000 Ingenieure ausgebildet – mehr als alle Ingenieure, die in Deutschland in den letzten zehn Jahren die Hochschulen verlassen haben.”

Soweit, so richtig (laut einer Analyse des Instituts für Wirtschaft machen derzeit knapp 50000 Menschen pro Jahr in Deutschland einen Ingenieursabschluss). Und das klingt unheimlich gefährlich.

Und was sagen diese Zahlen, wenn man nachrechnet?

In Deutschland leben rund 82 Millionen Menschen, in China 1,33 Milliarden. In Deutschland macht demnach jeder 1640te Bürger pro Jahr einen Ingenieursabschluss, in China dagegen nur jeder 2217te. Relativ gesehen haben wir also in Deutschland mehr Ingenieure und sind, wie man neudeutsch so schön sagt, “gut aufgestellt”.

So imposant die Zahlen von Lauterbach klingen, sie sind es nicht. Seine Aussage ist für die meisten Berufsgruppen wahr – in China werden jedes Jahr vermutlich auch mehr Menschen Bäcker, Klempner oder Tierarzt als in Deutschland in den letzten zehn Jahren.

Wie gesagt, ich bin der letzte, der Investitionen in die Bildung ablehnen würde. Aber populistische Zahlenspiele helfen in dieser Debatte nur bedingt.

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Unfreiwillig wahr

Donnerstag, 17. Juni 2010, 13:05 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schwere Sprache, Schweres Rechnen

Der entwicklungsbedürftige Minister Dirk Niebel von der FDP hat in einem Interview Sensationelles enthüllt: bei allen Weltmeistertiteln der deutschen Fußballnationalmannschaft hat die FDP mitregiert. Daher, so die Folgerung des Politikers, müssen wir auch dieses Jahr wieder Weltmeister werden. Damit macht er zunächst mal einen klassischen mathematischen Fehler (Cartoon von xkcd):

Nun gut, die FDP und die Mathematik – wer Steuersenkungen fordert, obwohl die Einnahmen sinken, dem ist auf dem Gebiet ja ohnehin nicht allzuviel zuzutrauen.

Niebel bleibt aber in der Fußballmetapher und fügt an: “Ich glaube und hoffe, dass wir so erfolgreich sind, dass wir noch eine Verlängerung hinten dranhängen können.” Ah ja. Im Fußball gibt es ja immer dann eine Verlängerung, wenn es nach der regulären Spielzeit (= Legislaturperiode) kein eindeutiges Ergebnis gibt. Insofern stehen die Chancen leider gut.

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