Heikos Tagebuch

Artikel mit Tag 'Auto'

Thomas Bernhard hätte abgewrackt

Montag, 6. April 2009, 20:00 · Keine Kommentare · Kultur, Politik & Wirtschaft

Thomas Bernhard - Meine Preise

Darüber, dass die Abwrackprämie Unsinn ist, habe ich an dieser Stelle ja schon geschrieben. Was mich nicht davon abgehalten hat, von genau diesem Unsinn selbst profitieren zu wollen. Weswegen ich auch ein wenig ein schlechtes Gewissen habe – denn darf ich einerseits diesen Unsinn geißeln und andererseits trotzdem davon profitieren?

Da beruhigt es mich, dass ich am Wochenende “Meine Preise” von Thomas Bernhard gelesen habe. Bernhard befand sich nämlich in einem ähnlichen Dilemma – er bekam vom Staat einen Literaturpreis, dessen Verleihung an ihn er als Unsinn und sogar als Ehrverletzung ansah (wer wissen will, warum, möge das Buch lesen). Dort heißt es:

Ja, sagte ich ihr, ich denke, wie ich es sage und ich nehme den Preis trotzdem an. Ich nehme das Geld, weil man dem Staat, der jährlich nicht nur Millionen, sondern Milliarden völlig sinnlos zum Fenster hinauswirft, jedes Geld abnehmen solle, der Bürger habe dazu ein Recht und ich sei kein Narr.

Na bitte – wenn man sich in dieser Gesellschaft befindet, fällt einem die Gewissensentscheidung gleich viel leichter. Frei nach Georg Schramm: Thomas Bernhard hätte abgewrackt.

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Umweltprämie

Mittwoch, 14. Januar 2009, 9:45 · 3 Kommentare · Politik & Wirtschaft

Als Umweltprämie bezeichnet die große Koalition die Prämie von 2500 Euro, die man erhalten soll, wenn man ein altes Auto verschrottet und dafür ein neues kauft. Wohlgemerkt: unabhängig davon, ob das neue Auto ein zwanzig Liter schluckender amerikanischer Geländewagen ist oder ein sparsamer Kleinwagen.

Hallo? Neue Autos für die Umwelt? Eine echte Umweltprämie würde so aussehen, dass jemand eine Prämie bekommt, der sein Auto verschrottet und dafür ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr kauft. Oder ein Fahrrad.

Mag ja sein, dass man die deutsche Automobilindustrie stützen will (da ja niemand, aber auch gar niemand auf die Idee kommen wird, von dem Geld einen Renault, Peugeot, Mitsubishi oder Honda zu kaufen, um nur mal ein paar zu nennen). Aber dann sollte man das nicht verlogen “Umweltprämie” nennen.

Im Übrigen gibt es für Eltern pro Kind einen einmaligen Bonus von 100 Euro. Das ist doch beruhigend zu sehen, dass in Deutschland ein Auto 25mal so viel Wert ist wie ein Kind. Sonst hätte ich mir allmählich Sorgen gemacht.

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Was wird hier saniert?

Dienstag, 20. Mai 2008, 8:03 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft

Die große Koalition will Autos mit hohem CO2-Ausstoß stärker besteuern, so ist bei SPIEGEL Online zu lesen – zwar unter Berufung auf einen Bericht in BILD, aber um etwas grundsätzliches daran zu zeigen, soll es trotzdem reichen.

Sofern man an das Gute im Menschen glaubt, kann man hier unterstellen, dass mit dem Mittel KFZ-Steuer umweltfreundliches Verhalten des Bürgers anerzogen werden soll. Glaubt man dagegen an das Schlechte im Menschen, so wittert man einfach eine neue Einnahmequelle des Staates.

Auch wenn es mir zuwider ist, mich in den BILD-Tenor vom “Abzockstaat” einzureihen, so gibt es doch mindestens zwei gute Gründe für die zweite Lesart:

  1. Nirgendwo ist die Rede davon, was eigentlich mit den zusätzlichen Einnahmen geschehen soll. Würde man hier davon sprechen, das Geld in Umweltschutzprojekte und/oder die weitere Erforschung umweltfreundlicherer Antriebstechniken zu stecken, wäre der Vorstoß schon ein wenig glaubhafter.
  2. Ein Staat kann auch Gesetze machen. Warum werden nicht einfach Autos ab einem gewissen CO2-Ausstoß verboten? Immerhin ist die FDP (“der Markt wird es schon regeln”) ja derzeit nicht in der Regierung.

Nach diesen Überlegungen scheint es so, als solle hier nicht in erster Linie die Umwelt, sondern der Haushalt saniert werden.

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