Heikos Tagebuch

Artikel mit Tag 'FDP'

Frau Merkel und die Statistik

Mittwoch, 12. Oktober 2011, 21:23 · Ein Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Derzeit wird man in allen Printmedien mit der Halbzeitbilanz der Regierung Merkel bombardiert. Natürlich ist darin alles rosig, toll, und überhaupt – welche Krise? Besonders angetan hat es mir aber folgende Grafik:

Sie zeigt das Wachstum des BIP Deutschlands im Jahr 2010 relativ zu sechs anderen EU-Staaten, namentlich Vereinigtes Königreich, Österreich, Niederlande, Frankreich, Spanien und Belgien. Warum gerade diese sechs?

Nun, damit, wie in diesem Bild, Deutschland gut dasteht. Geht man der Eurostat-Quelle nach, kann man auch mal sechs andere Staaten auswählen, dann sieht das Bild zum Beispiel so aus:

Und schon ist Deutschland nur noch hinteres Mittelfeld.

Man sieht: Statistiken sind geduldig. Und man kann damit alles belegen und auch das Gegenteil davon. Die Antwort auf die Frage, warum unsere Regierung es offenbar für nötig hält, zu solchen Tricks zu greifen, sei dem Leser als Übung überlassen.

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Fehler im System

Montag, 9. Mai 2011, 9:52 · Keine Kommentare · Allgemein

Immer wieder liest man von dem vermeintlichen “Ärztemangel”, der sich bei näherem Hinsehen eher als Verteilungsproblem entpuppt: in Regionen mit großer Dichte gutverdienender Privatversicherter gibt es eine Über-, in Regionen mit hauptsächlich schlechtverdienenden Kassenpatienten eine Unterversorgung. Schaut man sich nun an, wie die Koalitionäre in Berlin – allen voran der FDP-Minister des Privatkassen- und Pharmalobbyressorts, Philipp Rösler – nun verzweifelt versuchen, an den Stellschrauben des freien Marktes für Medizinerarbeitsplätze zu drehen, von Numerus-Clausus-Rabatten bis hin zu finanziellen Anreizen (die unter dem Strich, na wer wohl, finanzieren würde?), dann stellt sich schon die Frage, ob die Planwirtschaft wirklich so ein schlechtes System wäre.

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Generationsgerechtigkeit geht anders

Mittwoch, 17. November 2010, 14:11 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Gewerkschafter rennen mit ihren Positionen bei mir meist offene Türen ein, und auch Kritiker der schwarz-gelben Regierung haben es in der Regel nicht schwer, meine Zustimmung zu erheischen. Doch die aktuelle Forderung von DGB-Chef Michael Sommer, statt der Erhöhung des Renteneintrittsalters einfach die Beiträge zu erhöhen, finde ich gelinde gesagt unsinnig.

Bei der Rentendiskussion geht es, mehr als bei fast allen anderen derzeit aktuellen politischen Themen, um Generationengerechtigkeit. Genau in diesem Punkt ist Sommers Vorschlag jedoch augesprochen kontraproduktiv:

Ein 1965 Geborener würde nach derzeitigem Stand der Dinge 2030 in Rente gehen, also noch 20 Jahre Berufsleben vor sich haben, ein Arbeitnehmer vom Jahrgang 1985 hat noch 40 Jahre Berufsleben vor sich. Die Ausdehnung der Arbeitszeit, die ab dem Jahrgang 1964 voll greifen soll, würde beide gleichermaßen belasten, nämlich jedem zwei Jahre mehr Arbeit abverlangen. Bei Sommers Vorschlag hingegen würde der 1985 geborene doppelt so lang höhere Beiträge zahlen als der 1965 geborene, also doppelt so stark belastet werden.

Generationgerechtigkeit geht anders.

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Metaphern einsetzen – aber richtig!

Donnerstag, 26. August 2010, 7:39 · Keine Kommentare · Schwere Sprache

Der SPIEGELIm aktuellen SPIEGEL wird Günther Jauch dazu befragt, wie er sich damit fühlt, von einer Mehrheit der Deutschen als moralische Instanz wahrgenommen zu werden. Auszug aus seiner Antwort:

Es ist natürlich völliger Unsinn, wenn ich bei Umfragen mal vor, mal nach dem Dalai Lama und dem Papst genannt werde. [...] Irgendwann wird die Fallhöhe so groß, dass es nur mit einem möllemannschen Absturz enden kann.

Fallhöhe, Absturz – also bitte, Herr Jauch. Etwas Fingerspitzengefühl bitte beim Einsatz von Metaphern. Das gilt sogar dann, wenn es um die FDP geht.

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Freie Fahrt für freie FDP-Wähler

Montag, 2. August 2010, 18:49 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft

Und noch mal die FDP. Diesmal aber ernsthaft – nun ja, so ernsthaft, wie man eine selbsternannte Spaßpartei eben nehmen kann. Und um das gleich vorwegzunehmen – ja, die vergangene „Spaßpartei“-Kampagne darf man einer Partei auch Jahre später noch aufs Brot schmieren, die ihrerseits nicht müde wird, Die Linke als „SED-Nachfolgepartei“ zu titulieren. Das aber nur am Rande.

In Hessen folgt die FDP seit jeher dem Motto „Freie Fahrt für Freie Bürger“. Tempolimits auf Autobahnen? Nicht die Spur. Schon 1999 wurden die ersten Schilder abgebaut, in diesem Frühjahr folgten die nächsten aufgehobenenen Beschränkungen, und neuerdings tritt die FDP sogar gegen Tempo 30 in der Stadt ein – wobei es, wohlgemerkt, nur um nächtliche Tempoeinschränkungen geht, aber hier folgt die FDP wie immer getreu ihrem Motto „Wehret den Anfängen – wer heute nacht bei Tempo 30 ruhiger schläft, wird morgen im Kommunismus wieder aufwachen“. So, oder so ähnlich.

Bevor jetzt die eigentliche Pointe kommt (ist das spannend heute), fällt mir zu diesem Thema noch ein Zeitungsauschnitt ein, über den ich mich vor einiger Zeit sehr amüsiert habe. Darin wurden Bürger nach ihrer Meinung zum Tempolimit gefragt. Eine Bürgerin antwortete darauf:

Viele Autofahrer beachten die Hinweisschilder sowieso nicht. Da kann man sie auch abbauen.

Die Logik gefällt mir. Wenn nur hinreichend viele Bürger ein Gesetz missachten, ist dieses Gesetz also hinfällig. Da bin ich dann doch wieder froh, dass wir in Deutschland keine direkte Demokratie haben.

Aber zurück zur FDP und ihren Tempolimits. Auslöser dieses Eintrags war die Meldung, dass die FDP das Radfahren in der Stadt verbieten will. Moment – die FDP, für die sonst jedes Fahrverbot ein Vorbote des real existierenden Sozialismus ist? Was ist jetzt mit freier Fahrt für freie Bürger?

Mal ehrlich – wen wundert dieser scheinbare Widerspruch wirklich? Die FDP ist und bleibt nun einmal eine Klientelpartei. „Mehr netto vom brutto“ gilt für Hoteliers und Apotheker, „Leistung muss sich wieder lohnen“ für Hochleistungserben, und „Freie Fahrt für freie Bürger“ eben für die Besitzer von Oberklassekarossen. Das ist nun einmal das Prinzip einer Klientelpartei. Da sind mir Spaßparteien doch deutlich lieber.

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