Mitten ins Sommerloch schießt Herr Brüderle von der FDP mit dem Vorschlag, die Rentengarantie zu streichen und die Renten wieder, wie jahrelang Usus, den Löhnen anzupassen. Und prompt regt sich der Unionsreflex, und der Kampfbegriff der Generationengerechtigkeit wird in die Arena geworfen. Willkommen also im Sommerloch.
Die Generationengerechtigkeit steht dem Begriff nach für eine Gerechtigkeit zwischen den Generationen, das heißt also, keine Generation wird gegenüber der anderen benachteiligt. In der Debatte in Deutschland wird sie jedoch, so scheint es, übermäßig oft einseitig ins Feld geführt, nämlich dann, wenn die Rentner Einbußen zu befürchten hätten. Uns Jungen hingegen bürdet man die Lasten lieber auf – wir sind zahlenmäßig weniger und daher als Wählergruppe weniger wichtig.
Sind sinkende Renten ein Affront gegen die Generationengerechtigkeit? Blickt man in die Statistik, so kann man feststellen, dass die Nettolöhne seit 1990 um 37,1% gestiegen sind, die Renten jedoch nur um 29,6%. Das bedeutet aber noch nicht, dass hier eine Umverteilung von Alt zu Jung stattfindet, wie uns gern weisgemacht wird – denn die Beiträge zur Rentenversicherung sind im selben Zeitraum um 54,6% gestiegen!
Außerdem ist Nettolohn nicht gleich Nettolohn. Wer heute Rentner ist, musste von seinem Nettolohn weder Riesterrente noch private Berufsunfähigkeitsversicherung abzweigen. Auch viele der inzwischen gestrichenen Privilegien wie die Eigenheimzulage schlugen damals noch zu Buche. Heute wohnen viele Junge in den seinerzeit subventionierten Eigenheimen zur Miete und zahlen die mit Staatsschulden finanzierte Eigenheimzulage gleich noch mit abzahlen. Sieht so Generationengerechtigkeit aus?
Nun, ich muss also Herrn Brüderle inhaltlich Recht geben. Auch wenn es völlig durchschaubar ist, dass er sich mit seiner Äußerung – ebenso wie Schäuble mit seiner Retourkutsche – nur populistisch aus dem Umfragesumpf ziehen will. Aber an diesem Punkt wäre eine echte inhaltliche Debatte wirklich wünschenswert.

