Heikos Tagebuch

Artikel mit Tag 'Schwarz-Gelb'

Generationsgerechtigkeit geht anders

Mittwoch, 17. November 2010, 14:11 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Gewerkschafter rennen mit ihren Positionen bei mir meist offene Türen ein, und auch Kritiker der schwarz-gelben Regierung haben es in der Regel nicht schwer, meine Zustimmung zu erheischen. Doch die aktuelle Forderung von DGB-Chef Michael Sommer, statt der Erhöhung des Renteneintrittsalters einfach die Beiträge zu erhöhen, finde ich gelinde gesagt unsinnig.

Bei der Rentendiskussion geht es, mehr als bei fast allen anderen derzeit aktuellen politischen Themen, um Generationengerechtigkeit. Genau in diesem Punkt ist Sommers Vorschlag jedoch augesprochen kontraproduktiv:

Ein 1965 Geborener würde nach derzeitigem Stand der Dinge 2030 in Rente gehen, also noch 20 Jahre Berufsleben vor sich haben, ein Arbeitnehmer vom Jahrgang 1985 hat noch 40 Jahre Berufsleben vor sich. Die Ausdehnung der Arbeitszeit, die ab dem Jahrgang 1964 voll greifen soll, würde beide gleichermaßen belasten, nämlich jedem zwei Jahre mehr Arbeit abverlangen. Bei Sommers Vorschlag hingegen würde der 1985 geborene doppelt so lang höhere Beiträge zahlen als der 1965 geborene, also doppelt so stark belastet werden.

Generationgerechtigkeit geht anders.

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Wir verhandeln nicht mit Lobbyisten

Sonntag, 12. September 2010, 19:19 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft

In der Frankfurter Rundschau vom Wochenende habe ich einen bedenklichen Satz gelesen. In einem Bericht über den Vertrag zwischen Regierung und Atomindustrie und dessen Entstehungsprozess ist hier zu lesen:

Die schwarz-gelbe Regierung reklamiert für sich, im Gegenzug für den Staat wichtige Zugeständnisse herausgeholt zu haben.

Dieser Satz spricht Bände.

Warum muss die Regierung verhandeln, Kompromisse schmieden und Zugeständnisse machen? Nach demokratischem Verständnis sollte eine Regierung Gesetze machen, keinen Kuhhandel mit Unternehmern treiben. Eine Regierung, die in Verhandlungen „Zugeständnisse herausholt“, hat ein sehr merkwürdiges Selbstverständnis. Dieses Selbstverständnis suggeriert ein Verhandeln auf Augenhöhe mit Industrievertretern, die damit zu einer der Regierung ebenbürtigen Macht im Staat geadelt werden. Das ist wirklich ausgesprochen bedenklich.

Fragt die Regierung etwa bei mir an, unter welchen Zugeständnissen ich eventuell bereit wäre, welchen Prozentsatz an Steuern auf mein Einkommen zu zahlen? Wie man mir entgegen kommen müsste, damit ich mich im Gegenzug bereit erklären würde, Mehrwertsteuer zu zahlen und einen Teil meines Einkommens in die Rentenkasse einzubezahlen? Nein, man schreibt es mir vor, und ich habe mich daran zu halten. Warum ist das bei der Industrie plötzlich anders? Der Grundsatz, dass vor dem Gesetz alle gleich sind, scheint hier plötzlich ausgehebelt. Deutlicher kann man dem Wähler kaum sagen, was man von seinem Votum und Wählerauftrag hält.

Ich möchte die Kanzlerin aller Deutschen sein,

diesen (eigentlich widersinnigen, denn was sollte sie sonst sein?) Satz sagte Angela Merkel kurz nach der Wahl. Doch ihr bisheriges Regierungshandeln lässt vor allem darauf schließen, dass sie die Kanzlerin der Industrievertreter und Lobbyisten ist.

„Wir verhandeln nicht mit Terroristen“, hieß einst die Parole aus dem Weißen Haus gegenüber der Terror-Truppe von Al Qaida. Ich würde mir ein „Wir verhandeln nicht mit Lobbyisten“ aus dem Reichstag wünschen. Aber dafür haben wir wohl derzeit die falsche Regierung. Und die voraussichtlich noch gut drei Jahre lang.

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Wulff sagt die Wahrheit – zwischen den Zeilen

Mittwoch, 20. Januar 2010, 12:47 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schwere Sprache

Der SPIEGEL Nr. 3, 2010Heute morgen im Zug im SPIEGEL das Interview mit Christan Wulff gelesen. Da steckt viel Wahrheit drin, wenn man zwischen den Zeilen liest.

Frage des SPIEGEL:

Sie haben gesagt, dass nach der Steuerschätzung im Mai eine Kommission eingesetzt werden soll, die eine Steuerreform ausarbeitet. [...] Was soll die Kommission leisten?

Antwort von Christian Wulff:

Die Kommission muss in aller Ruhe und vor allem ohne ständige Wasserstandsmeldungen eine Reform erarbeiten. Die Kakophonie in den vergangenen Wochen hat der schwarz-gelben Regierung geschadet. Das Ziel der Union muss sein, bei der nächsten Wahl wieder 40 Prozent plus x zu holen.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass Wulff auf die Frage des SPIEGEL eigentlich gar nicht eingeht (in der Schule hieß das früher “Thema verfehlt”) – dass die Kommission eine Reform erarbeiten soll, hat der Interviewer schließlich schon in der Frage angedeutet. Statt dessen lässt sich die Antwort zwischen den Zeilen so dechiffrieren:

Mir doch egal, was die Kommission genau macht, hauptsache, wir bleiben an der Macht.

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Sittenwidrigkeit nach schwarz-gelber Definition

Donnerstag, 15. Oktober 2009, 12:59 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft, Schweres Rechnen

Wie diesem SPIEGEL-Artikel zu entnehmen ist, will die neue Regierung zwar keine Mindestlöhne gesetzlich festlegen, dafür aber sittenwidrige Löhne verbieten. “Sittenwidrig” ist dabei wie folgt definiert:

Ein Lohn sei dann sittenwidrig, “wenn er ein Drittel unter dem Durchschnitt des branchenspezifischen Lohnes liegt”, sagte Pofalla.

Aha. Wenn sich eine Branche nun also entschließt, 50 Cent pro Stunde zu bezahlen, dann ist das nicht sittenwidrig, solange alle das tun. Denn dann ist der Durchschnitt 50 Cent, und niemand liegt um ein Drittel darunter.

Man darf gespannt sein, wann die ersten Arbeitgeberverbände das auch kapieren. Wenn sie der Koalition nicht ohnehin genau diese Definition in die Feder diktiert haben.

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Die Wahl

Montag, 28. September 2009, 21:11 · Keine Kommentare · Politik & Wirtschaft

Was soll man groß schreiben zur Wahl? Die Deutschen sind mehrheitlich gegen Atomkraft und für Mindestlöhne und wählen dann mehrheitlich schwarz-gelb. Bei so viel Schizophrenie fehlen mir einfach die Worte.

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