Gewerkschafter rennen mit ihren Positionen bei mir meist offene Türen ein, und auch Kritiker der schwarz-gelben Regierung haben es in der Regel nicht schwer, meine Zustimmung zu erheischen. Doch die aktuelle Forderung von DGB-Chef Michael Sommer, statt der Erhöhung des Renteneintrittsalters einfach die Beiträge zu erhöhen, finde ich gelinde gesagt unsinnig.
Bei der Rentendiskussion geht es, mehr als bei fast allen anderen derzeit aktuellen politischen Themen, um Generationengerechtigkeit. Genau in diesem Punkt ist Sommers Vorschlag jedoch augesprochen kontraproduktiv:
Ein 1965 Geborener würde nach derzeitigem Stand der Dinge 2030 in Rente gehen, also noch 20 Jahre Berufsleben vor sich haben, ein Arbeitnehmer vom Jahrgang 1985 hat noch 40 Jahre Berufsleben vor sich. Die Ausdehnung der Arbeitszeit, die ab dem Jahrgang 1964 voll greifen soll, würde beide gleichermaßen belasten, nämlich jedem zwei Jahre mehr Arbeit abverlangen. Bei Sommers Vorschlag hingegen würde der 1985 geborene doppelt so lang höhere Beiträge zahlen als der 1965 geborene, also doppelt so stark belastet werden.
Generationgerechtigkeit geht anders.

