Die Kommunalwahl steht vor der Tür, und so kommt jetzt wieder die Zeit, in der die zu ebenjener Wahl stehenden Parteien den Postkasten mit Wahlprogrammen füllen. Und die können wirklich amüsant sein! An dieser Stelle daher in lockerer Folge ein kleines Best-of der Wahlprogramme aus Reinheim und dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Den Anfang macht: die SPD.
Die erste Seite steht ganz im Zeichen der Umweltpolitik. Die SPD verweist hier auf Projekte rund um die Reinheim umgebenden Naturschutzgebiete. Auffällig hier: gut die Hälfte der genannten Erfolge liegt zurück im letzten Jahrtausend. Da kann schon der Eindruck entstehen, man möchte sich gern auf längst überreifen Lorbeeren ausruhen. Etwas mehr Aktualität, bitte!
Unter dem Schwerpunkt „Familien- und Jugendpolitik“ findet sich ein denkwürdiger Satz:
Unsere Kindergärten und Kindertagesstätten bieten konzeptionell und räumlich die notwendigen Standards.
Dass die notwendigen Standards eingehalten werden, sollte eigentlich selbstverständlich sein und kein Alleinstellungsmerkmal. Der Höhepunkt allerdings ist der folgende Satz:
Durch den Bau und die hoffentlich zeitgerechte Fertigstellung der B38 neu werden sich für Reinheim hinsichtlich der oben genannten Punkte eine ganze Reihe von Chancen ergeben.
Moment mal, wieso „hoffentlich“? Besteht Regierungsarbeit aus Handeln oder aus Hoffen? Leute, Ihr stellt Euch zur Wahl, damit Ihr für die zeitgerechte Fertigstellung sorgt, nicht, damit Ihr darauf hofft!
Unter den „oben genannten Punkten“ findet sich im Übrigen auch „die Weiterentwicklung des Schulstandortes Reinheim“. Wieso die Schule von einer Umgehungsstraße profitieren soll, erschließt sich mir auch nicht.
Ich freue mich auf die nächsten Postwurfsendungen!

Es ist doch beschämend: laut der aktuellen Umfrage zur Hessenwahl am kommenden Sonntag würden die Hessen eher die SPD für den Versuch von Andrea Ypsilanti, sich mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, abstrafen, als Roland Koch endlich für seine Affäre um die schwarzen Kassen abzuwählen. Und das, obwohl Ypsilanti, im Gegensatz zu Koch, nicht einmal antritt. Das zeigt wieder einmal, wie bereitwillig die Menschen sind, solche Dinge einfach zu vergessen (und zu vergeben?). Oder zeigt es doch eher ein Wertesystem, in dem der Bruch eines Versprechens (wohlgemerkt zum Zweck des Einhaltens anderer Versprechen, nämlich der Abwahl von Roland Koch, der dringend notwendigen Reform des Bildungswesens etc.) stärker geahndet wird als Verstöße gegen Parteienfinanzierungs- und Steuergesetze?